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Alles gut mit Ethanol aus Österreich?

In Werbeeinschaltungen und Broschüren werben große Ethanolproduzenten in Österreich seit geraumer Zeit für Ethanol: ein Agrotreibstoff, welcher in Österreich vor allem aus Weizen hergestellt wird. Die Herstellung sei voll nachhaltig und zu befürworten, denn das für die Produktion in Österreich hergestellte Getreide komme schließlich von zertifizierten, mitteleuropäischen landwirtschaftlichen Betrieben. Noch dazu wird zusätzlich zum Ethanol auch noch ein Eiweißfuttermittel hergestellt, welches in der Tierfütterung eingesetzt werden kann. Deswegen benötigen wir weniger importierte Futtermittel aus z.b. Brasilien, in Wahrheit würde die Produktion von Ethanol also zu weniger und nicht zu mehr Entwaldungen auf globaler Ebene führen.

Dieses Argument hält einer einfachen, logischen Überprüfung nicht stand: für jene Produktionsmenge an Ethanol, die in Österreich benötigt wird, um die angestrebte 10%ige Beimischung zu Benzin zu erreichen, werden ungefähr, bei der in Mitteleuropa hauptsächlich eingesetzten Technologie, 180.000 ha Anbaufläche benötigt. Dabei fallen neben Ethanol auch noch Futtermittel an. Diese müssten sonst auf ungefähr 60.000 ha Fläche produziert werden. Bleiben netto 120.000 ha, welche zur Produktion der Agrotreibstoffe verwendet werden müssen. Und auf dieser Fläche würden ansonsten Futter- oder Lebensmittel produziert werden. Da sie dafür aber nicht mehr zur Verfügung stehen, muss entweder (1) anderswo neue Fläche in Produktion gehen, oder (2) die Produktion auf bestehenden Flächen gesteigert werden (z.b. durch Düngemittel) oder (3) der Konsum zurückgehen (anders ausgedrückt: die, die es sich am wenigsten leisten können, werden weniger konsumieren. Also entsteht Hunger).

Die genannten 120.000 ha sind global irrelevant, betreffen aber rein die österreichischen Beimischungsziele.  Addiert man allerdings die für europäische und US-amerikanische Beimischungsziele notwendigen Getreidemengen zusammen, werden gewaltige Mengen an agrarischen Rohstoffen den globalen Märkten entzogen und es wird erwartet, dass entsprechende negative Folgen damit einher gehen. Deswegen diskutiert die EU auch darüber, wie diese sogenannten indirekten Landnutzungseffekte in der Gesetzgebung berücksichtigt werden können. Anders ausgedrückt: auch wenn der Rohstoff für Agrotreibstoffe aus Mitteleuropa stammen mag, können dadurch Verdrängungseffekte entstehen, die globale negative Effekte nach sich ziehen können.
Alle im Post genannten Zahlen stammen aus diesem in Biomass & Bioenergy publizierten Artikel.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Alles gut mit Ethanol aus Österreich?

  1. In Island stellt man aus Kohlendioxid und Wasserstoff Methanol her. Das funktioniert und stellt ein weit geringeres ökologisches und sozialökonomisches Problem dar. Aber die Stützung der Agro-Industrie in EU-Ländern muss bekämpft werden.

    Harri

    Verfasst von Harald Matz | 3. Juli 2012, 08:43

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