Blog

Wertschöpfung durch inländische Biodieselproduktion?

Als Argument für die staatlich unterstützte Produktion und Nutzung biogener Kraftstoffe wird häufig die Schaffung inländischer Wertschöpfung angeführt. Der Ersatz von importierten fossilen Rohstoffen durch inländische Ressourcen würde positive volkswirtschaftliche Effekte und die Schaffung von Arbeitsplätzen nach sich ziehen, so die Argumentation. Da der weitaus größte Teil der Wertschöpfung bei der Rohstoffproduktion, d.h. beim Anbau von Ölsaaten, entsteht (siehe Kranzl et al., 2011), stellt sich die Frage, zu welchem Anteil der österreichische Biokraftstoffsektor überhaupt auf inländischen Rohstoffen basiert.

In Österreich stellt Biodiesel mit 80% den weitaus wichtigsten Kraftstoff biogener Herkunft dar. Neben Importen von Biodiesel (2010 lag der Biodieselverbrauch ca. 50% über der inländischen Produktion; Quelle: Umweltbundesamt) spielt vor allem auch importiertes Pflanzenöl, dass in heimischen Anlagen zu Biodiesel verarbeitet wird, eine zentrale Rolle. In der Energiebilanz wird diese Tatsache dadurch verschleiert, dass inländische Produktion zu 100% als “inländisches Aufkommen” geführt wird, ungeachtet der Herkunft der Rohstoffe.

Eine Analyse der österreichischen Biodieselversorgung im Jahr 2009 (Kalt und Kranzl, 2012) zeigt, dass weniger als ein Fünftel des Biodieselverbrauchs heimischer Rohstoffproduktion zugerechnet werden kann. Da Wertschöpfung in erster Linie bei der Rohstoffproduktion generiert wird, ist die inländische Wertschöpfung, die aus den Biodiesel-Beimengungsquoten entsteht, sehr gering und wird von den Förderkosten (bzw. der Steuerentgang durch steuerliche Begünstigung) bei weitem überragt.

Infolge der in den letzten 10 Jahren massiv gestiegenen Produktion von Biodiesel ist der österreichische Selbstversorgungsgrad bei Pflanzenöl von weit über 50% auf 26% (2010/11) gesunken (Quelle: Statistik Austria). Der jährliche Mehrbedarf von über 250.000 t ging fast ausschließlich in die Biodieselproduktion. Da der weltweite Pflanzenölkonsum seit Jahrzehnten massiv zunimmt (seit 1999 hat sich der Konsum verdoppelt, seit 1984 vervierfacht; Quelle: USDA), und in erster Linie durch eine steigende Produktion von Palmöl in Südostasien gedeckt wird, wirft dies entscheidende Fragen hinsichtlich der indirekten Folgen der österreichischen/europäischen Biokraftstoffpolitik auf.

Die Entwicklung in Österreich ist nämlich kein Einzelfall. Auch für die EU-27 zeigt sich, dass der Importbedarf bei pflanzlichen Ölen infolge der Beimengungsquoten in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Nur mehr ca. die Hälfte des in der EU konsumierten Pflanzenöls stammt aus innereuropäischem Anbau (Quelle: Eurostat). Palmöl macht bereits mehr als die Hälfte der Importe aus. Und wenn auch Palmöl in Europa nur in geringem Ausmaß direkt energetisch verwertet wird, lässt sich nicht abstreiten, dass ein Zusammenhang zwischen einer steigenden Gesamtnachfrage nach Pflanzenöl und der globalen Ausweitung von Anbauflächen (mit all den damit verbundenen ökologischen Folgen) besteht.

Links:

Kranzl et al., 2011:
http://www.eeg.tuwien.ac.at/eeg.tuwien.ac.at_pages/publications/pdf/KRA_REP_2011_1.pdf

Kalt et Kranzl, 2012:
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421512003266

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Web-Tipps

%d Bloggern gefällt das: