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TV-Sendung zur Diskussionsveranstaltung „Agrosprit und nachhaltige Mobilität“

„Dass Treibstoffe aus Agrarpflanzen nicht unbedingt des Rätsels Lösung sind, zeigen die Vorträge der Veranstaltung „Agro-Treibstoffe? Nein tanke!“ auf. In ihren Referaten legen Markus Meister von Welthaus Graz und Harald Frey von der TU Wien dar, wieso die Zukunft der Treibstoff-Gewinnung keinesfalls in Agro-Stoffen liegen sollte.“

Okto-TV: http://www.okto.tv/andererseits/9161/20120614

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Über markus meister

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Diskussionen

4 Gedanken zu “TV-Sendung zur Diskussionsveranstaltung „Agrosprit und nachhaltige Mobilität“

  1. Ich verstehe, dass Agrotreibstoffe/ Biokraftstoffe sich auch der Kritik von Umwelt- und Klimaschützern stellen müssen, um eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen. Ohne NACHHALTIGE Bioenergie hat diese heimische und speicherbare erneuerbare Energiequelle wenig Chancen auf langfristigen Erfolg.

    Aber das Thema ILUC verstehe ich offene gestanden nicht wirklich und finde schon den Ansatz ungerecht gegenüber den fossilen Kraftstoffen. Fossile Kraftstoffe müssen ihre CO2-Bilanz/ Emissionen erst ab dem Auspuff messen lassen, während Biokraftstoffe die CO2-Bilanz der gesamten Wertschöpfungskette nachweisen müssen! Und das obwohl fossile Kraftstoffe häufig genauso viel CO2 bei der Förderung und dem Transport produzieren. Von den Ölsanden im kanadischen Alberta möchte ich gar nicht erst anfangen.

    Treibstoffe aus organischem Material und vor allem Biokraftstoffe der nächsten Generation aus Abfällen, Algen, Zellulose-Ethanol etc. versprechen viele Vorteile gegenüber der 1. Generation und sind als Drop-In-Lösung direkt anwendbar, um die CO2-Bilanz (über die gesamte Wertschöpfungskette) schon heute zu reduzieren. In 1-2 Jahrzehnten wird außerdem die E-Mobilität (dann hoffentlich aus EE-Strom) zu einer deutlichen Verbesserung der Klimabilanz unseres Verkehrssystems beitragen.

    Hier eine weitere Perspektive zum Thema Agrotreibstoffe und ILUC.

    http://www.biomasse-nutzung.de/iluc-faktor-definition-biokraftstoffe/

    Verfasst von Ron Kirchner | 25. Juli 2012, 05:35
  2. Wenn es das Ziel ist, Treibhausgase einzusparen, müssen auch alle relevanten Faktoren in die Bilanzen eingerechnet werden, dazu zählen auch ILUC-Faktoren. „Ungerecht“ ist dieser Ansatz auch deshalb nicht, weil zwar die Emissionen von Agrotreibstoffen über die gesamte Wertschöpfungskette errechnet werden, dafür die Verwendung/Verbrennung mit null Emissionen angenommen wird.
    Auf http://www.euractiv.com/climate-environment/biodiesels-pollute-crude-oil-lea-news-510437 ist auch ersichtlich, dass es unterschiedliche „default values“ für fossile Treibstoffe gibt. Die „Schmutzigkeit“, etwa von Treibstoffen aus Ölsanden, wird demnach berücksichtigt.
    Dass die zweite oder dritte Generation vorteilhafter wären (vor allem aufgrund des niedrigeren Flächenbedarfs), ist klar, allerdings wird die „Marktreife“ noch einiges an Zeit brauchen.
    Aber:
    Agrotreibstoffe tragen nicht nur nachweislich zur Verschärfung der Ernährungssituation weltweit bei, sie leisten nicht (notwendigerweise) einen Beitrag zu Reduktion von Treibhausgasen, sie verlängern zudem auch noch die Verwendung einer vorgestrigen Technologie.
    Ziel muss die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs sein. Punkt. Alles andere sind Nebelgranaten.

    Verfasst von markus meister | 25. Juli 2012, 09:16
  3. Bei der Verringerung des motorisierten Verkehrs stimme ich Ihnen völlig zu und man sieht in den skandinavischen Ländern wie sowas aussehen kann (Fahräder, Car-Sharing etc.). Allerdings sehe ich nicht, dass sich der Großteil der Deutschen aktuell von dem geliebten Automobil und der damit verbundenen Freiheit trennen möchte. Was ich auch verstehen kann, wenn man nicht gerade in einer Großstadt lebt.

    Die Abneigung gegenüber der Verbrennungstechnologie kann ich bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen und wahrscheinlich wünschen sich viele eine cleanere Energiewende. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber bezahlbar ist das kurzfristig leider nicht. Viele Verbraucher gehen schon heute auf die Barrikaden, wenn sie von steigenden Energiepreisen (z.B. bei Kraftstoffen) hören, bzw. diese spüren. Biokraftstoffe sind in meinen Augen die einzige heute verfügbare Drop-In-Technologie für die bestehende Infrastruktur. bei der Interpretation der Klimabilanz gibt es sicher eine breite Spanne, aber schlechter als der Durchschnitt der fossilen Kraftstoffe sind der Durchschnitt der Biokraftstoffe sicher nicht.

    Biokraftstoffe kann man in Industrieländern als Brückentechnologie berachten, bis der Umbau der Infrastruktur und die anderen mit der E-Mobilität verbundenen Probleme (Reichweite, Kosten, Batteriematerialien, Entsorgung etc.) gelöst werden können.

    Und zu dem Vorwurf, dass Biokraftstoffe zum Anstieg der Nahrungsmittelpreise und schlimmstens Falls sogar zu einem Anstieg des Welthungers führen, habe ich vor kurzem einen Artikel geschrieben. Meine Recherchen haben jedenfalls ergeben, dass Biokraftstoffe beim rasanten Anstieg der Nahrungsmittelpreise 2007/ 2008 (Tortilla-Krise etc.) nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

    http://www.biomasse-nutzung.de/biokraftstoffe-bioenergie-nahrungsmittelpreise-hunger/

    Wir müssen bei Agrotreibstoffen kritisch sein, aber diese Panikmache nutzt nur der bestehenden fossilen Energiewirtschaft. Ich habe nichts gegen Öl und Kohle, die uns immerhin durch die letzten 150 Jahre gebracht haben und die uns immerhin auch viele gute Entwicklungen geschenkt haben, aber fossile Energieträger bleiben nun einmal endlich. Träumen ist wichtig, aber die Realität kann man bei einigen Punkten schwer ausblenden finde ich.

    Verfasst von Ron Kirchner | 25. Juli 2012, 15:39
  4. Lieber Ron,

    ein paar Fragen zu deinem Kommentar:

    (1) Welchen Nutzen hat eine „Brückentechnologie“, wenn diese Technologie „durchschnittlich“ die zumindest gleiche Menge an Treibhausgasemissionen verursacht wie fossile Energieträger, gleichzeitig aber bei so gut wie allen anderen ökologischen Indikatoren schlechter abschneidet (als große und sehr positive Ausnahme ist immer die Verwendung von Reststoffen zu nennen)? (siehe EMPA Studie http://www.news-service.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/8515.pdf – bei den Treibhausgasemissionen berücksichtigt diese allerdings kein iLUC)

    (2) Welchen Nutzen bringt es, eine riesige Agrotreibstoffindustrie aufzubauen, die maximal 15 Jahre überleben kann? Bis dahin sind entweder stark flächeneffiziente Technologien (wie Algen) verfügbar, die aber auf den derzeitigen Technologien nicht aufsetzen können (weil völlig unterschiedliche Supply Chain), oder aber die Industrie stirbt aus ökonomischen Gründen sowieso ab (erst heute in der Zeitung: in den USA werden die Ethanolbeimischungsziele dieses Jahr auf Grund der schlechten Ernte nicht erreicht werden). Kommt es nämlich durch Klimawandel und Verbrauchszuwächse in den Emerging Markets zu weiteren Preisanstiegen bei den agrarischen Rohstoffen und gleichzeitig zu Preissenkungen, oder zumindest weniger starken Anstiegen, bei den fossilen Energieträgern (Stichwort Shale-Gas Revoluation), wird über kurz oder lang die Zusubventionierung von staatlicher Seite aufhören und die Industrie damit den Bach runtergehen.

    (3) Eine höhere Nachfrage nach agrarischen Produkten führt unweigerlich zu einem Preisanstieg gegenüber dem Baselineszenario ohne diese Nachfrage – dazu braucht es meiner Meinung nach keine komplexen Modelle, Analysen oder Szenarien, sondern nur einen Blick ins Mikroökonomielehrbuch. Die Agrotreibstoffproduktion hat also einen Einfluss auf die Leistbarkeit von Nahrungsmitteln für die Allerärmsten der Welt – jenen Menschen also, die am meisten von Hunger bedroht sind.

    (4) Ja, Erdölproduzenten freuen sich naturgemäß, wenn Agrotreibstoffe aus dem Tank verschwinden. Aber welchen Sinn hat es, einen schlechte Technologie durch eine noch schlechtere Technologie zu ersetzen, nur weil damit dem großen „Feind“ eines ausgewischt werden kann? Die erneuerbaren Energieträger müssen sich der kritischen ökologischen und ökonomischen Debatte stellen, sonst haben sie über kurz oder lang keine Chance. Und Positivbeispiele aus der Photovoltaik- und Wind-Industrie (und Technologien, die bei Drittgenerationstreibstoffen in der Pipeline sind, Stichwort Algen) gibt es ja zur Genüge. Es geht nicht darum „Bioenergie“ an sich zu verteufeln, sondern die jetzige Praxis der Produktion von Treibstoffen auf riesigen, sehr fruchtbaren Flächen, der Kritik zu unterziehen.

    lieben gruß aus wien nach berlin

    Verfasst von Johannes Schmidt | 2. August 2012, 07:48

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