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Warum Agrodiesel aus dem Regenwald steirische Bioenergie-Hersteller ruiniert

Die Insolvenz der SEEG-Biodieselanlage des steirischen Bioenergiepioniers Karl Totter ist ein herber Rückschlag für die heimische Umwelt- und Klimapolitik. Laut SEEG ist dafür vor allem die Konkurrenz durch billigen Agrodiesel aus Südostasien und Südamerika verantwortlich.

Damit stellen sich zwei Fragen: Weshalb benötigen wir überhaupt importierten Agrodiesel aus aller Welt? Und weshalb sind diese Importe so günstig, dass ein heimischer Produzent, der Agrodiesel vorwiegend aus Altspeiseöl gewinnt, nicht konkurrenzfähig ist?

Die Gesetzgebung in der EU und in Österreich schreibt die Beimengung von Agrotreibstoffen zu Benzin und Diesel vor. Damit soll das Klima geschützt und die Abhängigkeit von Erdöl verringert werden. Da aber die heimischen Anbauflächen für Agrotreibstoff-Pflanzen längst nicht ausreichen, müssen wir diese in großem Stil importieren – aus Nachbarstaaten, aber auch aus Südamerika und Südostasien. Doch gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern hat der Boom von pflanzlichen Treibstoffen verheerende Folgen: Riesige Monokulturen breiten sich immer weiter aus und verdrängen zusehends Regenwälder und Felder der lokalen Kleinbauern. Viele Menschen verlieren somit ihre Lebensgrundlagen, die wenigen entstehenden Arbeitsplätze sind schlecht bezahlt, die Arbeitsbedingungen katastrophal. Damit können unsere heimischen Produzenten nicht konkurrieren. Die Profiteure dieses Wahnsinns sind vorwiegend Konzerne und Großgrundbesitzer.

Die europäische und österreichische Gesetzgebung hat es verabsäumt auf diese negative Entwicklung zu reagieren und damit eine Politik forciert, die Regenwald rodet, „um das Klima zu schützen“. Auch die enormen sozialen und menschenrechtlichen Auswirkungen werden ignoriert, damit wir weiter jede noch so kurze Strecke mit dem Auto zurücklegen können.

Fazit: Die EU muss ihre Agrotreibstoff-Politik ändern und gesetzliche Rahmenbedingungen für die ökologische und sozial nachhaltige Produktion von Bioenergie durchsetzen. Die Verwendung von Agrotreibstoffen ist nur dann sinnvoll, wenn sie wirklich zur Einsparung von Treibhausgasen führt und Menschenrechte nicht verletzt werden. Es ist bedauerlich, dass gerade ein Vorzeigebeispiel für eine solche nachhaltige Produktion wie die SEEG Opfer der vollkommen fehlgeleiteten Agrotreibstoffpolitik geworden ist.

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Über markus meister

https://www.twitter.com/markus_meister

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