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Agrotreibstoffe: Der behauptete Klimaschutz

Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Hermann Schultes wundert sich in einer Presseaussendung (APA OTS, 21.4.), dass Österreich beim Klimaschutz nicht stärker auf Biotreibstoffe setze, schließlich seien diese „doppelt klimawirksam“: „Statt fossilem Öl wird Biokraftstoff eingesetzt und die Nebenprodukte der Treibstofferzeugung sind gentechnikfreie Eiweißfuttermittel, die Sojaimporte aus der Dritten Welt ersetzen.“

Der Haken an der Sache ist nur, dass der behauptete Klimaschutz durch „Biotreibstoffe“ keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand hält. Agrodiesel etwa weist vielfach schlechtere Treibhausgasbilanzen als fossiler Diesel auf – trotz entsprechender Berücksichtigung etwaiger Substitutionseffekte von Nebenprodukten. Eine nach monatelanger Unterverschlusshaltung kürzlich veröffentlichte Studie der EU-Kommission belegt erneut, dass durch den Einsatz von Agrodiesel die Treibhausgasemissionen sogar steigen können.

Die absurden Auswüchse der Agrotreibstoffpolitik zeigen sich auch daran, dass in Österreich weniger Agrodiesel aus heimischem Raps als aus Palmöl in den Verkehr gebracht wird. Die Auswirkungen des Palmölbooms in Ländern wie Indonesien oder Malaysia sind weitgehend bekannt. In den letzten Jahren wurden dort riesige Regenwälder gerodet, um Platz für die Palmölproduktion auf Monokulturen zu schaffen. Viele Kleinbauernfamilien haben ihr Land durch brutale Vertreibung verloren, Biodiversitätshotspots wurden unwiederbringlich vernichtet.

Klimapolitische Maßnahmen müssen in der Tat gesetzt werden. Diese müssen aber tatsächlich Treibhausgasreduktionen erzielen und dürfen keine bedenklichen sozialen und ökologischen Auswirkungen mit sich bringen. Agrotreibstoffe verlängern hingegen lediglich das Festhalten am Auto, damit werden notwendige Änderungen im Verkehrsbereich verzögert. Österreich sollte somit vielmehr den öffentlichen Verkehr, Fahrräder und das Zufußgehen fördern. Wirksame Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs könnten auch kosteneffizienter umgesetzt werden, z. B. durch Tempo 100 auf der Autobahn.

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