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Immer mehr Palmöl im Tank – Rasche Umkehr in der Agrotreibstoffpolitik notwendig

Von einem „Biodieselgate“ spricht Transport & Environment, die Dachorganisation europäischer NGOs aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich, in einer heutigen Veröffentlichung. In der Tat, so wurde die Agrotreibstoffbeimengung vor einigen Jahren als effektive Klimamaßnahme und als Nutzen für die heimische Landwirtschaft verkauft und angepriesen. Mittlerweile ist klar, dass davon nicht mehr als heiße Luft übriggeblieben ist.

 

Vor allem Agrodiesel fragwürdig für das Klima

Agrodiesel etwa weist vielfach schlechtere Treibhausgasbilanzen als fossiler Diesel auf. Eine nach monatelanger Unterverschlusshaltung kürzlich veröffentlichte Studie der EU-Kommission belegt erneut, dass durch den Einsatz von Agrodiesel die Treibhausgasemissionen sogar steigen können.

 

Äußerst schlecht für das Klima schneidet Agrodiesel aus Palmöl ab. Umso dramatischer ist es, dass sich seit dem Jahr 2010 in der EU die Beimengung von Palmöl versiebenfacht hat, wie die heute veröffentlichte Analyse von „Transport & Environment“ (T&E) zeigt. 45 Prozent des in der EU verbrauchten Palmöls fließen in die Tanks von Fahrzeugen.

Palmöl auch in österreichischen Tanks

Allein im Jahr 2013 wurden etwa 33.000 Tonnen Agrodiesel aus Palmöl in Österreich in den Verkehr gebracht. So gelangte 2013 bereits gleich viel Palmöl wie heimischer Raps in österreichische Tanks. Die Auswirkungen des Palmölbooms in Ländern wie Indonesien oder Malaysia sind weitgehend bekannt. In den letzten Jahren wurden dort riesige Regenwälder gerodet, um Platz für die Palmölproduktion auf Monokulturen zu schaffen. Viele Kleinbauernfamilien haben ihr Land durch brutale Vertreibung verloren, Biodiversitätshotspots wurden unwiederbringlich vernichtet.

 

Nachhaltige Konzepte gefordert

„Es braucht umfassende und tatsächlich nachhaltige Konzepte für die Verkehrs- und Klimapolitik, diese müssen menschenrechtliche und ökologische Auswirkungen in anderen Ländern ausreichend berücksichtigen“, fordert Markus Meister von Welthaus Graz. Anstatt den Beelzebub mit dem Teufel auszutreiben, schlägt VCÖ-Expertin Rasmussen vor, dass etwa mehr Geld für den Ausbau des europäischen Bahnnetzes und auch für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur. Nur so kann eine wirklich klimafreundliche Mobilitätswende vorangetrieben werden.

 

Weiterführende Links:

Transport & Environment – Cars and trucks burn almost half of all palm oil used in Europe https://www.transportenvironment.org/press/cars-and-trucks-burn-almost-half-all-palm-oil-used-europe

VCÖ – In der EU wird fast die Hälfte des importierten Palmöls für „Bio“diesel verwendet https://www.vcoe.at/news/details/vcoe-in-der-eu-wird-fast-die-haelfte-des-importierten-palmoels-fuer-biodiesel-verwendet

Netzwerk Agrotreibstoffe: http://agrotreibstoffe.net/

Welthaus Graz: http://graz.welthaus.at/unrecht-beseitigen/agrotreibstoffe/

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Über markus meister

https://www.twitter.com/markus_meister

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